Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

Im Föhret
Bergdietikon, AG, 8962
Switzerland

Unisexfashion for the new normal.

Swiss-Filipino Designer. 

BLOG

OUR. UNISEX - Optische Annährung der Geschlechter.

Chris Mueller

Der Pariser Modeverband “Chambre Syndicale” ist verantwortlich für die Modewochen in der Stadt und gewährt ausgewählten Modedesigner das Privileg, in der “Haute Couture” seine Werke zu zeigen. Wer sich als Modeschöpfer in den Pariser Haute-Couture-Schauen etablieren kann, hat es geschafft.

Die “Haute Couture” Woche im Juli 2012 war für den kanadischen Modedesigner Rad Hourani eine besondere Woche. Rad Hourani wurde der erste Designer in der Geschichte der gehobenen Schneiderkunst, der Unisex-Haute-Couture Mode präsentieren durfte. Die Schauen sind bekannt für aufwändige Abendkleider, grossartige Roben und üppige Silhouetten. Rad Hourani hingegen zeigte reduzierte, geometrische und klare Linien. Im Vergleich also völlig anders und weit von der gewohnten Ästhetik entfernt. Die Modewelt hat hier ein Statement gesetzt: “Wir sind bereit, einen Schritt zu wagen, der über die Tradition hinaus geht. Eine Bewegung Richtung Akzeptanz und Toleranz gegenüber Geschlechtergrenzen”. Dass eine Institution wie “Chambre Syndicale” eine solche Kollektion zulässt, zeigt einmal mehr, dass Mode das Individuum unterstützt.

Tillmann Prüfer schreibt in dem Artikel “Geschlechtergrenzen überwinden” über Mode: “So wie wir die Mode kennen, schafft sie nichts von sich selbst heraus, sondern spiegelt die Gesellschaft wider.” Generell ist diese Aussage nicht ganz richtig. Bei “Unisex” kann man aber davon ausgehen, dass unter anderem die Gesellschaft tatsächlich eine sehr grosse Rolle spielt. Das war früher bei den adeligen schon der Fall.  In der  Mode der Moderne, nach der Französichen Revolution stellt sich die  Sexualität und das Geschlecht in den Vordergrund. Die Frau lebte ihre Weiblichkeit. Der Unterschied zeigt sich in Bezug auf das Geschlecht, in dem die Frauen ihre Sexualität markieren und die Männer das Gegenteil. Die Silhouetten von den Frauen sind sehr körperbetont und die Stoffe schmiegen sich an dem Körper entlang. Bei dem Mann hingegen wirkt die Silhouette eher gerade und unerotisch. Im Gegensatz zu der aristokratische Mode, in dem der Mann das Bein in Strümfen umhüllt und Gewänder sein Oberkörper schmückte und somit seine Macht präsentierte, wurde das Geschlecht des Mannes durch den Anzug verdeckt. “Der Anzug wird zum ikonischen Zeichen, das die moderne Subjektnorm und die bürgerlichen Werte ausdrückt und dies nur kann, in dem er sich selbst unsichtbar macht.”

Der moderne Anzug wurde nicht eng konstruiert, sondern er wurde in Form eines V idealisiert. Die Hüfte wurde schmaler und die Schulter breiter. “Der ideale Anzug formte eine neue Silhouette des Mannes. Der Anzug schmiegt sich den Bewegungen des Körpers an, ohne dabei seine formgebende Funktion, fasst unsichtbar durch Schnitt und Fall des Stoffes gezaubert, zu verlieren.”

Der Anzug bildete für den Mann während des 19. Jahrhunderts eine ästhetische Triebkraft. Sie war ein Zeichen für den Fortschritt der bürgerlichen Gleichheit unter dem Geschlecht Mann. Zwischen 1910 und 1930 wurden die Anzüge gesellschaftstauglich. Die Formen von Kragen und Krawatte begannen jetzt funktional und stromlinienförmig auszusehen. Nicht etwa gewagt revolutionär, wie sie es bei ihrem ersten Erscheinen getan haben. Die glatten Röhren von Ärmel und Hosenbein waren Attribute, die Weiblichkeit wiederspiegeln. Die Modekunst zeigte somit erste Andeutungen der Neutralität. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Frau ein Zeichen setzte. In der Geschichte zeigt sich, dass die Emanzipation der Frau eine wichtige Rolle spielte für die Unisexmode. Während die Männer mit dem Anzug ihre natürliche Männlichkeit präsentierten, trug die Dame noch das Korsett. Erst in den 30er Jahren machte z.B. Marlene Dietrich oder Audrey Hepburn die Hose für die Frau salonfähig. Der Hosenanzug nutzte Dietrich als Zeichen der Stärke. Bis anhin hatte die Mode Grenzen gesetzt. Durch die Emanzipation der Frau, kam der Durchbruch der Hose. Sie zeigt, dass Frauen, wie Männer, auch eigene Entscheidungen treffen können. Coco Chanel befreite die Frau von dem Korsett. Rund 50 Jahre später steckte Yves Saint Laurent die Frau in den Anzug - “le Smoking” für Damen war geboren. Wie schon erwähnt ist die Mode gesellschaftsabhängig. So erschuf sich die Gesellschaft auch den Unisex-Trend. Zurück blickend entstand der Begriff “Unisex” um die Zeit der 90er Jahren. Bis heute ist dieser Trend aktuell, ein Langzeittrend, obwohl der Begriff “Trend” dieser Erscheinung eigentlich nicht mehr gerecht wird. Unisex hat sich vielmehr zu einem Stil etabliert.

Bis heute ist die Hose ein Vorreiter für einen Trend.  Die “Boyfriend-Jeans” entstand durch eine gewisse Neugier der modernen Frau. Herrenjeans waren in den 90er Jahren weiter geschnitten und die Taille niedriger gesetzt als die Frauenjeans. Aus dem Verlangen, bequeme Kleider anzuziehen, borgten sich die Freundinnen von ihren Freunden die Jeans. So verstand die Modeindustrie dieses Verlangen massentauglich zu produzieren und es wurde in den Läden angeboten. Die “Boyfriend-Jeans” war sicher ein Auslöser für den “Unisex-Trend” . Dieser Trend verschaffte der Geschlechtergrenze eine neue Bedeutung. Die Männer und Frauenmode werden heute immer mehr überkreutzt. Immer mehr Marken und Designer wie Jil Sander oder American Apparel kreieren für den Unisexträger. Sie setzen mehr den Fokus auf die Persönlichkeit und den Stil, statt nur dem Geschlecht. Die Kleider erhalten eine andere Silhouette und einen radikaler Charakter.

Zwar geht die Auflösung und Annäherung der Geschlechter über die Stoffe und Silhouetten hinaus, dennoch scheinen diese eine wichtige Rolle zu spielen. Nicht nur die Kleider sind für den neuen “Unisex-Trend” wichtig, sondern auch die neu erworbene Freiheit. Genau diese neue Freiheit nahm Rad Hourani als Inspiration für seine Kleider: “It’s definitely about freedom. It’s a way of being free of any limitations. Unisex does not just define the elimination of gender; it’s also age, race, religion, any boundary that can divide people. The word “unisex” is the base element I took to start my language because I had to create a canvas to fit a man and a woman’s body.” Diese Freiheit ist in seinen Kollektionen ersichtlich. Der Stil wird minimalistisch und der Schnitt körperfern.